31. März 2017

Umfassende Regelung des eigenen Willens

Regelmässig werden wir von Mandanten kontaktiert, um die Verhältnisse nach dem eigenen Tod zu regeln. Oftmals meinen sie damit «nur» ein Testament. Nach unserer Auffassung sollte man die spätere Durchsetzung des eigenen Willens allerdings umfassender regeln.

Ein Testament oder ein Erbvertrag schafft im Idealfall Klarheit für die Hinterbliebenen in Bezug auf die Vermögensverhältnisse nach dem eigenen Tod. In den meisten Fällen wünschen sich die Menschen, dass sie ihr letzter Wille auch so umgesetzt wird.

Doch die Durchsetzung des eigenen Willens beginnt bereits zu Lebzeiten. Man kann vereinfacht von drei verschiedenen Zuständen ausgehen:

  1. Verlust der Urteilsfähigkeit

Sei es durch einen Unfall oder durch eine Krankheit wie Demenz – es kann schnell gehen und überraschend kommen. Vielleicht ist der Zustand nur vorübergehend, vielleicht aber auch andauernd. Rechtlich kann das den Verlust der Urteilsfähigkeit bedeuten. Als urteilsfähig gilt jemand, der in einer konkreten Lebenssituation „vernunftgemäss“ handeln kann, also die Tragweite des eigenen Handelns begreift und fähig ist, sich entsprechend dieser Einsicht zu verhalten. Fehlt es an dieser Urteilsfähigkeit, können in der Regel keine rechtlichen Wirkungen erzeugt werden. Ein abgeschlossenes Geschäft bleibt unwirksam und muss gegebenenfalls rückgängig gemacht werden.

Wer seine Urteilsfähigkeit verliert, kann folglich selbst keine rechtlich relevanten Entscheidungen mehr treffen. Mittels eines Vorsorgeauftrags (siehe Artikel dazu) kann jede urteilsfähige Privatperson sicherstellen, dass dann jemand anders die notwendigen Angelegenheiten erledigen kann. Vor allem betagte Menschen können so ihren Willen rechtzeitig festhalten und eine nahestehende Person oder Fachstelle zur Regelung ihrer Angelegenheiten für den Fall der Urteilsunfähigkeit beauftragen und ermächtigen. Liegt ein rechtsgültiger Vorsorgeauftrag vor, können sehr oft Massnahmen der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB), die meist mit zusätzlichem Aufwand und Kosten verbunden sind, vermieden werden.

Tritt ein Fall von Urteilsunfähigkeit ein und erhält die KESB Kenntnis davon, so prüft sie den Vorsorgeauftrag und stellt dessen Wirksamkeit fest. So können sich dann die eigenen Vertrauenspersonen wie Ehegatten, Nachkommen, Geschwister oder Freunde um die persönlichen Geschäfte des Urteilsunfähigen kümmern.

  1. Lebensgefahr

Ist man als Patient bei einer Krankheit oder einem Unfall nicht mehr in der Lage, selbst über die gewünschten Behandlungen zu entscheiden. Dann müssen die behandelnden Ärzte zusammen mit den Angehörigen des Patienten über die notwendigen oder weiteren Behandlungsschritte entscheiden. Dies ist gerade für die Angehörigen oftmals eine sehr schwere Aufgabe, da nicht immer klar ist, was denn der Wunsch des Patienten gewesen wäre.

Um solche Extremsituationen für die Angehörigen zu vermeiden und den eigenen Willen gewahrt zu wissen, empfiehlt sich die Ausarbeitung einer Patientenverfügung. Die Kanzlei Aeschbacher arbeitet hierbei eng mit Ärzten zusammen, da diese schliesslich eine solche Patientenverfügung ja befolgen müssen. Oftmals empfiehlt sich die Abfassung der Patientenverfügung zusammen mit dem Hausarzt. Auch sollte eine Hinweiskarte im Portemonnaie mitgetragen werden, dass man eine Patientenverfügung hat und wo diese hinterlegt wird. Die Hausärzte können teilweise den Hinweis auf die Patientenverfügung auch auf dem Chip Ihrer Krankenkassenkarte abspeichern.

  1. Versterben

Die Zeit von uns allen auf der Erde ist zeitlich beschränkt. Mit dieser Realität gehen die Menschen sehr unterschiedlich um. Einige akzeptieren diesen Umstand, andere verdrängen ihn. Je nachdem richtet sich dann auch die Motivation, um den eigenen Todesfall und dessen Folgen zu regeln.

Um seinen letzten Willen für die Hinterbliebenen klar zu hinterlassen, empfiehlt sich das Abfassen eines Testaments oder der Abschluss eines Erbvertrages. Darin kann rechtsverbindlich geregelt werden, wer wieviel und was erhalten soll, es können Vermächtnisse ausgerichtet werden oder Auflagen für die Hinterbliebenen erlassen werden.

In der Praxis treffen wir immer wieder auf Testamente, welche auch Wünsche zur Bestattung oder Abdankungsfeier enthalten. Das sind oftmals sehr persönliche Wünsche und Vorstellungen, welchen die Hinterbliebenen meist berücksichtigen möchten. Leider werden die Testamente in den meisten Fällen erst nach der Abdankungsfeier entdeckt und es kann für die Berücksichtigung der Wünsche des Verstorbenen schon zu spät sein, falls er diese nicht gegenüber seinen engsten Vertrauten geäussert hat.

Damit solche unangenehmen Situationen vermieden und der eigene, letzte Wille gewahrt werden kann, ist die Abfassung von Anordnungen auf den Todesfall empfehlenswert. Darin kann man grundsätzlich alle Angaben zusammenfassen, wie Bestattungswünsche, vorhandene Versicherungen, Ablageorte von wichtigen Dokumenten etc.

Möchte man seinen eigenen Willen somit in all diesen Situationen gewahrt wissen, so ist es sinnvoll, neben einem Testament oder Erbvertrag auch einen Vorsorgeauftrag und eine Patientenverfügung abzufassen und Anordnungen auf den Todesfall zu erlassen. Wir unterstützen Sie gerne bei dieser umfassenden Regelung.